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Mit Musik die Sorgen vergessen

Als Anfang des Jahres der russische Angriffskrieg in der Ukraine ausbrach, wollte Musiker Wasyl Zakopets etwas tun: Gemeinsam mit seinem Kinderchor möchte er die Volkslieder seiner Heimat in Deutschland etablieren und den Kindern Fröhlichkeit und Ablenkung von ihren Sorgen schenken.

Der ukrainische Kinderchor bei der Probe in der Pfarrei Maria Schutz und Heiliger Apostel Andreas in München-Untergiesing

Donnerstagabend im Gemeindesaal der ukrainischen griechisch-katholischen Pfarrei Maria Schutz und Heiliger Apostel Andreas im Münchner Stadtteil Untergiesing. Zwölf ukrainische Kinder singen sich gerade zur Chorprobe ein, angeleitet von ihrem Leiter Wasyl Zakopets, der sich ans Klavier gesetzt hat. Elf Mädchen und ein Junge üben für das bevorstehende Weihnachtskonzert am 18. Dezember in der Erlöserkirche und den Auftritt am 15. Januar in der Maria-Schutz-Kathedrale. Die Probe beginnt mit den gängigen Tonleitern, dann werden Weihnachts- und Volkslieder gesungen.

Nach Ausbruch des russischen Angriffskrieges in der Ukraine hatte Chorleiter Zakopets die Idee, eine Chorschule für ukrainische Kinder zu gründen. Bereits im Frühling hatte er Pfarrer Wolodymyr Viitovitch das Projekt vorgestellt, im Juli kam es dann zur Gründung des Chores. Unterstützt wurden sie dabei von Monsignore Rainer Böck und dem Erzbischöflichen Ordinariat München (EOM), dem sie sehr dankbar sind.

Lieder der Heimat in Deutschland etablieren

„Das ukrainische Volk ist ein Gesangsvolk“, weiß der engagierte Chorleiter, ist er doch selbst ein Landsmann. Ziel des Chores ist es, die Lieder aus der Heimat in Deutschland zu etablieren. Deswegen werden vor allem Volkslieder gesungen. „Die Kinder sollen in der Musik eine Heimat finden“, bringt es Zakopets auf den Punkt.

 

Chorleiter Wasyl Zakopets

Der Chor soll ein „soziales Erlebnis“ schaffen, erklärt der Dirigent. Jeden Donnerstagabend treffen sich die insgesamt 19 Kinder (13 Mädchen und 6 Buben), die zwischen sieben und zehn Jahre alt sind und in ganz München verteilt wohnen, zur Probe. Zudem gestalten sie sonntags den Kindergottesdienst, der zur Freude von Kindern und Chorleiter jedes Mal „sehr gut besucht“ sei. So wurde der Chor immer bekannter, und es kamen neue Mitglieder hinzu.

Da die Liturgie in der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche immer gesungen wird, leisten die Kinder einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Gottesdienstes. Neben dem Spaß am Singen stehen Stimmbildung, Rhythmus und Notenlehre im Mittelpunkt der Chorarbeit. Künftig sind außerdem Probetage geplant.

Einfach mal abschalten und fröhlich sein

Vor allem soll der Chor Ablenkung bieten. Auch wenn 70 Prozent der Kinder während des Krieges nach Deutschland geflüchtet sind, spielen die Erlebnisse ihrer Flucht und ihre Ängste während der eineinhalb Stunden dauernden Probe keine Rolle: „Wenn die Kinder singen, sind sie fröhlich und haben Spaß“, sagt Zakopets. Aber natürlich habe Musik und vor allem Gesang immer einen therapeutischen Aspekt.

Der Spaß ist deutlich zu spüren. Man merkt: Die Kinder sind gerne hier, lieben es, zu singen. So auch Tereza. Die Zehnjährige kam im Frühling nach Deutschland und hat inzwischen im Chor und in der Schule neue Freunde gefunden. Auch wenn sie sich hier wohlfühlt, eigentlich will sie nach Hause, in die Ukraine. Yustyna hingegen ist schon seit sechs Jahren in Deutschland. „Ich singe am liebsten Volkslieder“, erzählt sie. Sie freut sich schon sehr auf das Weihnachtskonzert.
 

 

Text: Maximilian Lemli, Redakteur beim Sankt Michaelsbund, November 2022

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